MdL Lohr: Sprachförderung kommt oft nicht an

Kleinen Anfrage an Landesregierung bringt ernüchterndes Ergebnis

06.10.2020
Stephanie Lohr: Sprachförderung nicht nach dem Gießkannenprinzip! Foto: Blume
Stephanie Lohr: Sprachförderung nicht nach dem Gießkannenprinzip! Foto: Blume

MAINZ/WORMS In einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung wollte die Abgeordnete   Stephanie   Lohr   (CDU)   wissen,   wie   viele   Stunden Sprachförderung die Grundschulen in der Stadt Worms erhalten. Die Antwort der Landesregierung liegt nun vor – mit einem ernüchternden Ergebnis:

 Sprachförderung an den Wormser Grundschulen richtet sich nicht nach dem tatsächlichen Förderbedarf der Kinder. Viele Schulen haben   viel   weniger   Stunden   erhalten,   als   sie   zur   Sprachförderung beantragt haben. Andere liegen über ihren Wünschen. »Die Höhe der zugewiesenen Lehrerwochenstunden für Sprachförderung wird dem Bedarf an den Schulen nicht gerecht. Es ist überhaupt kein System   erkennbar,   inwieweit   die   von   den   Schulen   beantragtenFörderstunden den von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) zugewiesenen   Förderstunden   entsprechen«,   moniert   die   Wormser Abgeordnete. So beantragte beispielsweise die Grundschule Karmeliterbei der ADD insgesamt 49 Lehrerwochenstundenzur Sprachförderung,sie   erhielt   aber   nur   23  Stunden.  Ein   ähnliches   Bild   auch   an   der Grundschule   Pfeddersheim:   Hier   wurden   20  Stunden  beantragt,zugwiesen wurden aber nur 2 Stunden. Umgekehrt hat die Grundschule Rheindürkheim überhaupt keine Stunden beantragt, aber 6 Stundenzugewiesen bekommen. »Mir ist völlig unklar, warum die ADD einen besseren Einblick in die Förderbedarfe   von   Schülerinnen   und   Schülern   haben   soll   als   die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen vor Ort«, hinterfragt Stephanie Lohr  die   Art  der   Zuweisung,   und  ergänzt:  »Sprachförderung   muss bedarfsgerecht   und   zielgenau   sein   und   darf   nicht   nach   dem Gießkannenprinzip   erfolgen.   Jedes   Kind,   bei   dem   ein   Förderbedarffestgestellt worden ist, muss die entsprechende Förderung erhalten, diees braucht. Deshalb benötigen wir endlich eine klare und strukturierte Sprachförderung, die Kinder mit Förderbedarf optimal fördert. Hierfür braucht   es   klare   Vorgaben   und   keine   Stundenzuweisungen   nach Beliebigkeit«. Die CDU-Fraktion hat hierzu eine klare Position: „Wir möchten, dass jedeKlasse   pro   Kind   mit   Förderbedarf   in   der   deutschen   Sprache   0,5 Wochenstunden zusätzlichen Förderunterricht erhält. In einer Klasse, inder beispielsweise zehn Kinder einen Förderbedarf in Deutsch haben,wären dies fünf zusätzliche Wochenstunden, in denen diese Schüler einegezielte Deutschförderung erhalten. Gerade vor dem Hintergrund, dassmehr als ein Drittel aller Grundschülerinnen und Grundschüler nach dervierten   Klasse   nicht   über   ausreichende   Kenntnisse   im   Lesen   undSchreiben verfügen, ist dies enorm wichtig. Leider hat die Ampelkoalitionaus SPD, FDP und Grünen im Landtag unseren Vorschlag nach dieserklaren   und   besseren   Deutschförderung   abgelehnt.   Das   ist   mir unverständlich, zumal besonders Kinder mit Migrationshintergrund undKinder aus bildungsfernen  Familien einer zielgerichteten  Förderungbedürfen“, so Stephanie Lohr abschließend.